Erhalt der Winterlinden und kein Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel für die Untertrave!

(C) Uwe Freitag Lübeck
(C) Uwe Freitag Lübeck

„Wir bewegen was! Wir haben noch gar nicht richtig loslegen können – und schon macht Bernd Saxe die Winterlinden an der Untertrave zur Chefsache“, freuen sich die SprecherInnen des Aktionsbündnisses „LÜBECKS LINDEN LEBEN LASSEN!“ Inzwischen hat der Bürgermeister zu einer Online-Abstimmung über Baumarten aufgefordert, für die die Winterlinden an der Untertrave fallen sollen: „Das ist allerdings nur Spiegelfechterei der Stadtverwaltung und gehört zur bisherigen Hinhaltetaktik. Die Forderung des Bürgerbegehrens bleibt davon unberührt. Wir wollen den Erhalt aller 48 Linden und eine entsprechende Änderung der Umgestaltungspläne.“

Eine kurze Recherche hat ergeben, dass die von Herrn Saxe gepriesenen Bäume gar nicht so vorteilhaft für unsere Region sind, wie es behauptet wurde (siehe unten).

Das Aktionsbündnis vermutet bei den Verantwortlichen enorme Ängste vor dem Bürgerbegehren. „Die Stadt verzögert, verschleiert und verhindert“, sagt dazu Marianne Rühmland-Pfeiffer für das Aktionsbündnis: „Seit drei Wochen warten wir auf die notwendige Kostenschätzung der Stadt, ohne die wir keine gültigen Unterschriften für das Bürgerbegehren sammeln können. Und die Verwaltung? Sie prüft, sie berät und ist ganz überrascht, dass sie auch noch Urlaub hat. So eine Kostenschätzung lässt sich in wenigen Stunden ermitteln. Aber die Stadt will da nichts überstürzen. Sie hat ja auch noch keine Zeit gefunden, unserem eine Woche zurückliegenden Antrag um Einsicht in die Fördermittelbescheide nachzukommen.“

„Es ist richtig, dass der Bürgermeister die Angelegenheit an sich zieht“, ergänzt Arnim Gabriel: „Aber dann soll er dafür sorgen, dass die Stadt endlich ihrer Verpflichtung zur Kostenschätzung nachkommt und wir das Bürgerbegehren endlich starten können!“

 

Zu den von der Stadt zur Auswahl vorgeschlagenen Baumarten:

Die Schwedische Mehlbeere ist heimisch in kühlen nordischen Ostseeländern und deshalb wenig anpassungsfähig beim andauernden Klimawandel zum Warmen. Als relativ kurzlebiger Pionierbaum, der maximal 100 Jahre alt wird, wird sie von zahlreichen zersetzenden Baumpilzen befallen. Die Schwedische Mehlbeere bevorzugt feuchte Böden, die es an der Untertrave so nicht gibt. Ihre Früchte sind roh schwach giftig.

Die Hopfenbuche ist im Mittelmeerraum bei doppelt so hohen Niederschlägen und Temperaturen wie in Lübeck heimisch. Auch die raschwüchsige Hopfenbuche wird selten über 100 Jahre alt. Sie entwickelt „Kätzchen“ mit allergenem Pollenflug.

Die kurzlebige Purpur-Erle wird von zahlreichen Baumpilzen befallen. An heißen Sommertagen muss sie bewässert werden und verträgt Minustemperaturen nur bis -18 Grad. Die Purpur-Erle blüht bereits ab Dezember und ist extrem allergieauslösend, weshalb sie in einigen öffentlichen Anlagen verboten ist.

Der Japanische Schnurbaum ist nicht besonders winterhart. Alle Pflanzenteile, besonders aber die Schalen der Früchte, sind giftig mit einem hohen Giftigkeitsgrad, der Übelkeit, Erbrechen und Lähmungserscheinungen hervorruft.

Im Gegensatz dazu sind die 48 Winterlinden an der Untertrave eine heimische Baumart. Sie sind stadtprägend seit 250 Jahren, angepasst an das hiesige Klima, winterhart, langlebig (weit über 100 Jahre) und damit widerstandsfähig gegen Krankheiten und mit einem intensiven Herzwurzelsystem ausgestattet sowie anpassungsfähig an Klimaänderungen. Perfekt also!

2 thoughts on “Erhalt der Winterlinden und kein Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel für die Untertrave!

  • August 12, 2016 um 9:15 pm
    Permalink

    Und sehr gut essbar -lindernd – ist die Winterlinde in ihren verschiedenen Bestandteilen: Blüten, Blätter, Rinde. Stressabbauend…

    Antwort
  • August 13, 2016 um 4:11 pm
    Permalink

    Im Zuge der Umgestaltung der Willy-Brandt Allee (Neubau der MUK, Verlegung der Gleise) wurden damals viele Bäume gefällt und durch neue ersetzt.

    Diese Bäume kränkeln nach über 20 Jahren vor sich hin, wie vor ein paar Tagen in den LN berichtet wurde. Warum sollte es neu gepflanzten Bäumen an der Untertrave jetzt besser ergehen?

    All das verschlingt riesige Summen. Ich entnehme einem Baumschulkatalog den Preis von mindestens 1200,-€ je Baum (wenn die Bäume „schon was hermachen“ sollen sicher wesentlich mehr), hinzu kommt die Pflanzung am Problemstandort.
    Geschätzt insgesamt allermindestens ca. 5000 € je Baum. Bevor die Bäume Kronen entwickelt haben, die denen der vorhandenen Bäume entsprechen (und wie in der Grafik der LN von heute suggeriert wird) vergehen bestimmt 20 Jahre. Da wird nicht viel von „Bäumen“ zu sehen sein.

    In dieser Zeit brauchen die Neupflanzungen aber intensive Pflege, die wiederum viel Geld kostet. Stehen dann gesunde Bäume an der Untertrave?

    Ich stelle nochmal die Frage: Wenn das Grünflächenamt nicht in der Lage ist, in der Willy-Brandt-Alle die Bäume gesund groß zu ziehen, warum sollte es an der Untertrave anders sein?

    Die Lebenserwartung einer Linde liegt bei 2000 Jahren. Es handelt sich hierbei nicht um Wegwerfprodukte, die ohne Not dem Gestaltungsfimmel abgehobener Planer geopfert werden dürfen.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *